Andreas F. Staffel: 'Distillations', Four songs based on poems by Gottfried Benn

Julius Holtz | electronics
Katia Guedes | soprano, percussions
Andreas F. Staffel | piano

I. Aprèlude
II. Eure Etüden (Your Etudes)
III. Nur zwei Dinge (Just two things)
IV. Was man nennt (What they call)

World premiere Wabe Berlin, Danzigerstrasse 101, 10405 Berlin on 07.09.2017

'Distillations', Four songs based on poems by Gottfried Benn

I. Aprèlude

+ Show text

Tauchen mußt du können, mußt du lernen,
einmal ist es Glück und einmal Schmach,
gib nicht auf, du darfst dich nicht entfernen,
wenn der Stunde es an Licht gebrach.
Halten, Harren, einmal abgesunken,
einmal überströmt und einmal stumm,
seltsames Gesetz, es sind nicht Funken,
nicht alleine – sieh dich um:
Die Natur will ihre Kirschen machen,
selbst mit wenig Blüten im April
hält sie ihre Kernobstsachen
bis zu guten Jahren still.
Niemand weiß, wo sich die Keime nähren,
niemand, ob die Krone einmal blüht –
Halten, Harren, sich gewähren
Dunkeln, Altern, Apreslude.

II. Eure Etüden (Your Etudes)

+ Show text

Eure Etüden,
Arpeggios, Dankchoral
sind zum Ermüden
und bleiben rein lokal.

Das Krächzen der Raben
ist auch ein Stück −
dumm sein und Arbeit haben:
das ist das Glück.

Das Sakramentale −
schön, wer es hört und sieht,
doch Hunde, Schakale
die haben auch ihr Lied.

Ach, eine Fanfare,
doch nicht an Fleisches Mund,
daß ich erfahre,
wo aller Töne Grund.

III. Nur zwei Dinge (Just two things)

+ Show text

Durch so viel Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
– ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du musst.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

IV. Was man nennt (What they call)

+ Show text

Was man nennt: Gedankengänge
die ganze Philosophie
das ist doch alles Gestänge
gegen eine Melodie. –
Sie wird die Zeiten tragen
die großen Schlager von Meer zu Meer –
u wird die Trauer sagen,
unter der wir litten so sehr...

Gram Wollust Zärtlichkeit,
wie mich die Schläge bewegen
ich kann es selbst nicht verstehn
Der Hafen von Adano
oder auch Lili Marleen
Höhe Tiefstand, – aber sie breiten
so sehr das Leben hin
Gram, Wollust Zärtlichkeiten
in einem menschlichen Sinn.

Texts, poems as well as words, sounds and historical audio documents are redesigned and contextualized with the help of the remix procedure in this concert. Language is changed and by means of decomposition, it is set into new interpretations and meanings. By modifying the vocal timbres, the vocal part gets a new and often instrumental character.

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